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Getting Tough 2017 – so war es beim Saisonfinale in Rudolstadt

Fakten, Hintergründe, Lob und Kritik zum Saisonfinale in Rudolstadt

Alle Jahre wieder in der Vorweihnachtszeit laden Markus Ertelt, Michael Kallinowski und neuerdings auch Lukas Storath zum Saisonfinale Getting Tough nach Rudolstadt ein. Für alle echten OCR-Fans ein Pflichtermin. Nicht nur weil das Rennen beliebt ist, auch weil sich die ganze OCR-Familie hier zum Saisonende trifft um eine große Party zu feiern. Allerdings kamen erstmalig in den sechs Jahren der Veranstaltung weniger nach Thüringen. Gemeldet waren 2.718 Athleten und Athletinnen (Vorjahr: 3.158 Meldungen).

Bereits am Freitag ging es mit dem Sprint At Night (SAN) los. 180 Starter stellten sich dem rund 1km langen Teil des Walk Of Fame. Die Schnellsten im Finale waren Thomas Häusler (6:43), Thomas Wittwer (6:51) und Jan-Philip Dieckmann (6:59).

2017 war gefühlt noch härter

Im Vergleich zum Vorjahr war es am Start deutlich wärmer. In 2016 war es mit -6°C bitterkalt und alle waren dick eingepackt und hatten ein eingefrorenes Lächeln. In 2017 war die Stimmung ganz anders: Bei +1°C und aufkommenden Sonnenstrahlen zum Start freuten sich schon viele auf ein nicht ganz so hartes Rennen. Aber es sollte anders kommen.

Man könnte diesen Lauf auch eine Bestrafung nennen!Matthias K.

Am Ende wird abgerechnet. Jeder, der schon mal bei Getting Tough gestartet ist, weiß das. Das Schwimmbad ist Klassiker und Highlight des Rennens. Es ist wie bei Kilometer 35 bei einem Marathon. Jeder weiß: Ab hier geht es richtig los. Ab hier wird es weh tun.

Am Anfang des Walk Of Fame wartete wieder der Wasserfall auf die Athleten. Die Rohre hatten noch mehr Druck als im Vorjahr und das Wasser prasselte brutal auf die Köpfe der Kämpfer. Die Sicherheit wurde verbessert: Es gab an der Schrägwand kleine Sicherheitsstufen und am Fuß der Wand wurden die Athleten durch Strohballen gesichert.

Neue Hindernisse kamen dazu. Die Horizontalwände und auch ein Hangelhindernis feierten bei Beat The Summer Premiere und wurden jetzt auch bei Getting Tough The Race eingesetzt.

Aber auch die meisten der alten Hindernisse waren wieder am Start.

Der größte Gegner auf dem Walk of Fame waren in diesem Jahr allerdings die Wolken.

In 2016 war die Aussentemperatur zwar gut 7°C kälter, aber die Sonne schien für die meisten auf den letzten zwei Kilometern. An den Wasserhindernissen waren damals vielfach Regenbogen zu sehen.

Dieses Jahr gab es nur am Start kurz Sonne. Auf dem Walk of Fame war es bedeckt und bitterkalt. Durch die viele Nässe ist keiner mehr richtig warm geworden. Die Finger waren klamm, die Beine steif. Überall sah man Leute mit Krämpfen kämpfen. Viele sagten hinterher, dass sie in der Vergangenheit nie Krämpfe hatten.

Wieder einmal war die Kälte der ausschlaggebende Faktor.

Von den 2.718 gemeldeten Teilnehmern waren 77% im Ziel. Das entspricht in etwa dem Vorjahreswert (76%). Wie viele davon gar nicht erst angetreten sind, ist nicht bekannt.

Herausragende sportliche Leistungen

Hagen war wieder nicht zu schlagen

Während Getting Tough für viele der Kampf gegen sich selbst war, wurde im Elite-Feld auch ein sportlicher Wettbewerb ausgetragen. Der Vorjahressieger Hagen Brosius hatte sich wieder viel vorgenommen. Michael Kallinowsi hatte im Vorfeld gesagt, dass es nicht möglich sei, den Kurs in unter zwei Stunden zu schaffen. Sein Wetteinsatz: Der Bart muss ab.

Die Wette, keiner läuft unter 2h, geht an mich!Hagen Brosius

Hagen ist ein sehr starkes Rennen gelaufen. Bereits im Schwimmbad hatte er einen Vorsprung von 8 Minuten auf seinen nächsten Verfolger. Er ließ keinen Zweifel daran, dass er der Mann ist, den es bei Getting Tough zu schlagen gilt. In nur 1:59:32 kam er ins Ziel und Michael Kallinowski hatte seine Wette verloren. Timo Pippart kam in 2:10:28 als Zweiter ins Ziel. Dritter wurden gleich zwei Athleten: Max Böttner und Till Zimmermann kamen zeitlich in 2:14:13 ins Ziel.

Bei den Frauen konnte sich erneut Susanne Kraus durchsetzen. Nach einem verkorksten Jahr war bis zum Schluss nicht klar, ob sie überhaupt starten würde. Im Schwimmbad war sie noch gleichauf mit Hagens Schwester Laura Brosius. In einem packenden Kampf konnte sie sich dann knapp als Erste durchsetzen. Sie kam nach 2:39:32 ins Ziel. Laura Brosius folgte nach 2:40:11 als Zweite. Den Überraschungscoup landete Julia Skala. In ihrem ersten Hindernislauf überhaupt wurde sie in 2:52:14 dritte Frau bei Getting Tough.

Image der schwarzen Medaille leicht angekratzt

Links von 2016, rechts von 2017

Für den Rest vom Feld blieb nur die Jagd auf die schwarzen Medaillen. Die schwarze Medaille von Getting Tough ist ein sehr begehrtes Objekt. Nur die Schnellsten im Feld bekommen sie und viele trainieren monatelang sehr hart um eine zu ergattern. Für diejenigen, die es nicht auf das Podium schaffen können, ist sie ein sehr motivierendes Jahresziel.

Bei den Männer bekommen sie die ersten 100 Athleten. Das waren dieses Jahr 5% der Finisher. Bei den Frauen war urprünglich eine Anzahl an schwarzen Medaillen angedacht, die dem Anteil an Frauen im Feld entspricht, also 5%. Bei 213 Finisher-Frauen wären das die ersten 10-11 Frauen. Es wurden aber ca. 50 schwarze Medaillen an die Frauen ausgegeben. Wenn jede vierte Athletin eine schwarze Medaille bekommt, verliert sie leider an Wertigkeit.

Auch die Medaille selbst hat qualitativ nachgelassen. Schon beim Anfassen spürte man einen Unterschied. Im Vorjahr wog die Medaille satte 150 Gramm. In diesem Jahr kam sie nur auf 108 Gramm. Schlimmer ist aber, dass der Lack sofort abbröckelte.

Man kann nur hoffen, dass die Medaillen nächstes Jahr qualitativ wieder der Wertigkeit in den Augen der Athleten entsprechen und auch die Frauen sie genauso hart verdienen müssen wie die Männer. Es ist ja schließlich das selbsternannte härteste Rennen der Welt.

Die heimlichen Heldengeschichten

Neben den Top-Athleten und den Jägern auf die schwarzen Medaillen hat jeder Starter seinen eigenen Kampf mit der eigenen Zeit, der Natur und dem eigenen Ich. Es gibt so viele interessante Stories wie es Starter im Feld gibt. Drei wollen wir hier herausgreifen.

Never Give Up

Aufgeben ist keine Option. Zumindest nicht für Jens von den MudBusters. Nach 16 km bekam er einen Krampf von der Leiste bis in den Fuß. Im Sanitätszelt stellte man dann eine Unterkühlung fest. Seine Körpertemperatur betrug nur noch 32°C und man wollte, dass er das Rennen beendet. Das wollte Jens aber nicht akzeptieren. Nach 1,5 Stunden aufwärmen im Sani-Zelt ging er wieder auf die Strecke und finishte in knapp unter 5 Stunden.

Last Men Standing

Auch Dimitrios und Roland aus Tübingen sind keine Typen, die so leicht aufgeben. Dimitrios war unterwegs umgeknickt und hatte große Schwierigkeiten. Zusammen haben sie sich durch die Strecke gekämpft. Sie waren die letzten beiden Athleten auf dem Walk of Fame und wurden dort von einigen Athleten angeschrien und motiviert. Sie haben nach knapp über 6 Stunden gefinisht. Das war ganz großer Sport.

Und die Frau, die es allen gezeigt hat …

Am Abend im Festzelt hat dann eine kleine sympathische Frau den Hammer ausgepackt und es allen Männern gezeigt. Heidi hatte sich fast nicht getraut. Sie wollte schon länger bei der Liegestützen-Challenge mitmachen, aber sie war unsicher. Nach zwei Cuba Libre fasste sie sich ein Herz und machte mit. Und sie hat es allen Männern gezeigt. Sie hat die meisten Liegestützen geschafft und sich Ruhm und Ehre verdient. Eine kleine Frau ganz groß. Chapeau!

Am 08.12.2018 geht es weiter

Das nächste Getting Tough startet eine Woche später als üblich. Am zweiten Dezember-Wochenende geht es in die nächste Runde. Laut Veranstalter gab direkt nach einem Rennen noch nie so viele Anmeldungen für das Folgejahr. Wir dürfen gespannt sein, wie viele Athleten in 2018 wieder das Saisonfinale in Rudolstadt feiern und was sich das Trio Ertelt/Kallinowski/Storath wieder einfallen lässt. Wir freuen uns darauf!

 

Fotos: Michael Schroeder, eigene

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