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Grenzerfahrungen beim Spartan Race in Island

Die Spartan Ultra World Championship in Island war eines der härtesten Rennen des Jahres.

Am 16.12.2017 fand in Island die Spartan Ultra World Championship statt. Unter unglaublich harten Wetterbedingungen mussten sich die über 800 Athleten aus 35 Ländern über 24 Stunden beweisen. Es gab Regen, Schnee, Winde bis zu 100 km/h und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.

Wir haben mit Tom Koller (37) aus Pottschach in Österreich über seine Teilnahme gesprochen. Er ist mit zwei seiner Teammitglieder im Open Heat gestartet.

OCRFIT: Hallo Tom, vielen Dank, dass du uns für ein Interview zur Verfügung stehst. Erzähl mal etwas von dem Rennen!

Tom: Es war das härteste, was ich bisher gemacht habe. Es war ziemlich heftig. Vor allem vom Wetter her. Da war eigentlich alles dabei, was wir uns nicht gewünscht oder vielleicht gerade gewünscht haben. Es sollte ja eine Challenge werden und das war es auch. Wir hatten Eis, Schnee, Regen, Wind und Matsch auch, als es taute. Das war ziemlich ungut. Wir hatten eine kleine Kletterpassage und das war ziemlich gefährlich. Das hat ziemlich viele der Starter verzweifeln lassen. Das war schon ziemlich grenzwertig muss man sagen.

OCRFIT: War war daran so gefährlich?

Tom: Diese ganzen Felsen waren vorher angefroren und dann bekamen wir bei der dritten Runde oder so Plusgrade. Dann ist das Ganze getaut und war nicht mehr fest. Man konnte dann nicht mehr vertrauen, wo man hintrat oder wo man sich richtig festhalten konnte. Und dann noch das Laufen mit der Stirnlampe! In den ersten beiden Runden hatten wir noch Licht, da war das kein Problem. Aber dann in der Dunkelheit mit diesen Taukonditionen war es ziemlich hart.

OCRFIT: Konnte man da überhaupt laufen oder war das eher so ein kraxeln?

Tom: Na ja, es war schon eher ein kraxeln. Es war schon eine nette Steigung dort. Keine Ahnung, was die Topathleten vorne gemacht haben, Augen zu und durch und volles Risiko? Für mich war das die größte Challenge des ganzen Events. Diese kleine Steilwand. Ich habe zwei Kinder und das hatte ich immer im Hinterkopf. Konzentrieren, Fokussieren und dann ging es irgendwie.

OCRFIT: War es denn sehr steil? Konnte man da runter fallen?

Tom: Ja, es war ziemlich steil. Deshalb haben auch ziemlich viele Athleten aufgegeben. Ich glaube von den ganzen Startern sind nur etwa 300 ins Ziel gekommen. Teilweise verletzt. Und teilweise haben sie einfach aufgegeben, weil es zu gefährlich war. Ich glaube es war die allgemeine Meinung, dass es ziemlich grenzwertig war. Ich bin normalerweise nicht ängstlich, aber da gab es den einen oder anderen Moment, wo ich es brenzlig fand. Es geht alles, wenn man es wirklich will. Aber es war eine wirkliche Challenge für mich.

OCRFIT: Wie viele Runden hast du geschafft?

Tom: Wir haben 5 Runden (ca. 60km) gemacht. Wir haben uns das so eingeteilt, dass wir als Dreierteam gemeinsam 5 Runden schaffen und als Finisher gelten. Es wäre sicher mehr drin gewesen, aber wir sind nach wie vor Hobbysportler und ich bin zufrieden mit dem Ergebnis. Man will ja nicht am Ende verletzt nach Hause kommen.

OCRFIT: Wie waren die Hindernisse?

Tom: Die Hindernisse kamen ziemlich geballt. Dadurch dass die Landschaft dort nicht so übersichtlich ist, haben sie die Hindernisse immer hintereinander aufgestellt. Da kamen dann immer fünf Hindernisse auf einmal. Das war schon sehr kräfteraubend. Normalerweise macht man ja ein Hindernis und dann läuft man wieder 2-3 Kilometer. Aber hier kam alles geballt.

Sandbag Carrys und Kübeltragen mit Lavagestein gab es zwei mal pro Runde. Das war dann schon ziemlich heftig muss ich sagen. Außerdem hat es geregnet. Erst war alles nass, dann war es wieder gefroren. Die Sandbag Carrys waren sehr mühsam, da man eigentlich nur einen Klotz in der Hand hatte. Normalerweise schmiegt sich der Sandsack an den Körper an, wenn man ihn sich auf den Rücken wirft. Aber dadurch, dass es gefroren war, war es einfach nur klamm.

OCRFIT: Habt ihr auch was von der Landschaft mitbekommen?

Ja, hat man. Wir hatten das Glück, dass wir die Polarlichter sehen konnten. Um Mitternacht und in den Morgenstunden haben wir das erleben dürfen. Das war dann das Zuckerl für uns. Am Anfang sah es nicht so aus, als ob wir das erleben dürfen, weil es bewölkt und das Wetter grauselig war. Als wir die Polarlichter dann sahen war es dann schon ein Motivationsschub für uns.

OCRFIT: Das hört sich wirklich toll an. Wie würdest du die Erfahrung zusammenfassen?

Am Ende waren wir alle glücklich, dass wir da waren und da mitgemacht haben. Es war wirklich eine super Erfahrung. Letztlich ist man dann stolz darauf. Man will ja den Kindern und Enkelkindern mal was erzählen können. Wenn man nur herumsitzt und Fernsehen schaut, wird man nicht viel erzählen können.

OCRFIT: Vielen Dank für das Interview!

Die Ergebnisse der Spartan Ultra World Championship (Elite Heat)

Männer

  1. Joshua Fiore, 114km, 22:55:42
  2. Pavel Paloncy, 114km, 23:16:01
  3. David Dietrich, 114km, 23:38:04 (Österreich)
  4. Chris Lemke, 103km, 21:32:46 (Deutschland)
  5. Robert Killian, 103km, 23.19.57

Frauen

  1. Morgan McKay 92km, 21:06:38
  2. Vanessa Gebhardt, 92km, 21:11:55 (Deutschland)
  3. Allison Tai, 92km, 22:18:08
  4. Katrin Sigrun Tomasdottir, 81km, 21:29:51
  5. Lilian Keller, 81km, 23:22:38

 

Fotos: iStock, Jim Malinka, Tom Koller

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